»Petroleumlampen aus Meissener Porzellan«

Bei der Suche nach Literatur über diesen Artikel aus der Meissener Manufaktur, musste ich feststellen, dass darüber bisher niemand geschrieben hat. Darum entschloss ich mich, es selbst zu tun. Ich verbrachte  - schwerpunktmäßig - die letzten Jahre damit, über die Petroleumlampen aus der damals Königlich Meissener Porzellanmanufaktur zu recherchieren. An das notwendige Bildmaterial kam ich mit Unterstützung der Sammler, der Manufaktur in Meißen, Museen, Handel etc. So konnte ich, auch anhand von Vergleichen vorhandener Lampen, die notwendigen Erkenntnisse erwerben. Einbezogen auch über deren Mitbewerber und Nachahmer dieser Lampen.

Diese Erkenntnisse habe ich im März 2000 erstmals in einer Broschüre »Petroleumlampen aus Meissener Porzellan« für die Sammler und Freunde solcher Stücke im Eigenverlag veröffentlicht. Da alle Exemplare vergriffen sind, stehe ich für Auskünfte über diese Art Lampen, auch über die Kopisten, gerne zur Verfügung. Abgeschlossen ist die Recherche aber nicht. Ich suche weiterhin nach Abbildungen in Form von Fotos, Katalogblättern oder sonstigen Unterlagen. 

Folgend 4 Seiten von 80 aus dieser Broschüre und einen Textausschnitt.

 

 

 

Ausschnitt:

Hinweise oder worauf man achten sollte!

Wer heute eine Lampe der damals Königlich Sächsischen Porzellan-Manufaktur angeboten bekommt, sollte sich die Zeit nehmen und sehr genau hinsehen, bevor er diese erwirbt. Denn durch die Möglichkeit der Kombination ist es auch heute noch ein leichtes, die Teile von nicht mehr kompletten Lampen zu nehmen, um eine ‘neue Alte’ herzustellen. Der erste Eindruck einer solchen Lampe mag ja überzeugen. Bei Beachtung aller nachfolgend aufgeführten Kriterien kann sich vielleicht auch eine Enttäuschung einstellen.

Das angedeutete Vorgehen könnte aus den nun folgenden Gründen – ich beziehe mich hier beim Dekor nur auf das Zwiebelmuster, da bei anderen Dekoren es dem Laien besonders schwer fällt Unterschiede festzustellen – nicht immer ganz befriedigen:

1. Die Herstellung der Farben erfolgte zwar immer im Labor; die Nuancen der Farbwerte wurden endgültig beim Einschmelzen, aber vor allem durch den Maler bestimmt. Er mischte die Farben und bestimmte die Art ihrer Anwendung. Deswegen könnte im direkten Vergleich der Dekor bei manchen Stücken anders ausfallen. Auch, weil jeder Maler seine Charakteristik hatte, den Dekor zu malen.

2. Die kobaltblaue Unterglasurfarbe hatte in den Anfängen ein fast schwarzblaues Aussehen, weil das Kobaltoxid mit Iridium verunreinigt war. Erst viel später war man in der Lage, im Prozess der Entwicklung, letzteres nach und nach zu entfernen. Ergebnis war, dass das Kobaltblau mit der Zeit seine dunkle Färbung verlor und leuchtender wurde. Daraus ist auch erklärbar, dass später hergestellte Stücke ein helleres Blau tragen. Wenn in den folgenden Jahren ein dunklerer Farbton erwünscht war, mischte man dem Kobaltoxid wieder Iridium bei. Der jeweilige Zeitgeschmack hat sicher auch in der Farbgebung eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, es wäre darum gut, wenn bei den verschiedenen Teilen nicht nur die Charakteristik des Dekors übereinstimmte, sondern auch der Farbton identisch wäre. Es ist allerdings vorstellbar, dass Abweichungen auch durch die, wie erwähnt, teils sehr komplizierten Herstellungsprozesse verursacht waren.


3. Des Weiteren passen meist nur Porzellanteile aus der gleichen Porzellanmasse und dem gleichen Brand genau zusammen, da beim Glasurbrand von ca. ‘1459 °C sich das Volumen um etwa ein Sechstel verändert, weil sich der Werkstoff verdichtet. So können mit derselben Formgröße, aber einer neuen Porzellanmasse mit vielleicht gering abweichenden Anteilen in ihrer Zusammensetzung, die Teile größer oder kleiner ausfallen. Das macht sich besonders beim Deckel- und Behältermaß bemerkbar. Als weiteren Faktor muss man auch die sich laufend veränderten Brenntechniken nennen. 

Deshalb ist es heute so problematisch – und nur mit sehr großem Aufwand sowie entsprechend hohen Kosten möglich – passende Ersatzteile für altes Porzellan herzustellen. Die Manufaktur in Meißen lehnt dieses, auch aus den erwähnten Gründen, überwiegend ab. Es gibt aber Porzellankliniken die bereit sind, diesem Bedürfnis abzuhelfen.

 Ich habe schon Lampen gesehen, die später mit alten Teilen und mit Sachverstand komplettiert worden sind, und kann sagen, dass diese dadurch ihren ursprünglichen Reiz wiedergewonnen hatten. Wenn allerdings ohne jegliches Gefühl Teile kombiniert und Metall-, Glas- oder unbemalte Porzellandeckel aufgesetzt werden – es gibt da ganz abenteuerliche »Kreationen«, die außerdem auch noch zu horrenden Preisen angeboten werden – dann sollte man vielleicht darauf verzichten, dieses Stück zu erwerben …